Region Basel / Themen 2009
  
 

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Christian Zeller



dipl. Wirtschaftsprüfer,
 zugelassener Revisionsexperte,
 Wirtschafts-Treuhand AG, Basel,
 Mitglied der Treuhand-Kammer,
 Email:
christian.zeller@wirtschafts-treuhand.ch

 

 

    

  Abzüge für auswärtige Verpflegung

Anleitung zum Menu der Steuerklärung

Für auswärtige Verpflegung erlaubt die Steuererklärung gewisse Abzüge, welche unter bestimmten Voraussetzungen geltend gemacht werden können. Mit anderen Worten, es ist nicht so einfach. Der Beitrag enthält Tips, wie Sie dennoch zu Ihrem Abzug kommen..
 

 
 

Die Position „Mehrkosten für auswärtige Verpflegung“ in der Steuererklärung für natürliche Personen gehört zu den Abzügen, bei denen sich die Frage stellt, ob die Einführung einer „Bierdeckel-Steuererklärung“ nicht doch gefördert werden sollte.

Es handelt sich bei dieser Position um einen Abzug, der ursprünglich gedacht war für Pendler, welche nicht über Mittag nach Hause kehren können und sich deshalb im Restaurant verpflegen müssen. In den Grundzügen ist es auch heute noch so. Anspruch auf diesen Abzug haben alle Personen, die wegen der grossen Entfernung zwischen Wohn- und Arbeitsort oder wegen kurzer Essenspause die Hauptmahlzeit nicht zu Hause einnehmen können und deshalb Mehrkosten entstehen.

Zwei praktische Beispiele

Wie aber werden nun „grosse Entfernung“ und „kurze Essenspause“ definiert? Ist der Familienvater abzugsberechtigt, wenn er in Basel im Gundeli wohnt und beispielsweise in Sissach als Geschäftsführer seine Mittagspausen infolge Gleitzeit selber bestimmen kann? Er hätte ja genügend Zeit bei 2h Mittagspause mit dem Zug nach Basel zu fahren, mit der Familie zu essen und anschliessend wieder zur Arbeit zurückzukehren. Anders die Detailhandelsangestellte aus Basel (Klybeck), teilzeitangestellt im Dreispitz, beginnt „erst“ um 14.00 Uhr, arbeitet dafür aber bis um 20.00 Uhr und hat lediglich eine halbe Stunde Pause. Wenn wir nun die Basler Wegleitung zu Hilfe ziehen, dann steht hier: „Massgebend sind der Arbeitsweg sowie eine Zeit von 45 Minuten für die Einnahme der Hauptmahlzeit zu Hause.“

Sie sehen, der Geschäftsführer könnte in Gefahr laufen den Abzug nicht gewährt zu erhalten. Die reine Reisezeit von Sissach nach Basel und zurück beträgt zwischen 40 und 60 Minuten. Somit bleiben bei einer Mittagspause von 2h definitiv mehr als 45 Minuten für die Einnahme der Hauptmahlzeit. Sogar bei „nur“ 1 Stunde 30 Mittagspause könnte es reichen. Leider wird es aber so sein, dass dieser Geschäftsführer aufgrund der hohen Arbeitsbelastung eh nur 30 bis 45 Minuten Zeit für das Mittagessen findet. In solchen Fällen wird dringend geraten, die Veranlagung der Steuerbehörde genau anzusehen und allfällige Aufrechnungen zu hinterfragen.

Die Detailhandelsangestellte arbeitet zwar nur Teilzeit, eine Hauptmahlzeit (nämlich das Nachtessen) fällt aber in ihre Arbeitszeit. Da sie nur 30 Minuten Zeit hat, steht ihr der Abzug ebenfalls zu. Auch hier sind allfällige Aufrechnungen zu hinterfragen.

Grundsätzlich gilt: Im Zweifelsfall sollte der Abzug immer vorgenommen werden (allenfalls mit einer Begründung).

Gerechtigkeit und Gleichheit in der Kantine

Weiter stellt sich die Frage der Höhe der Abzüge. Damit die Gleichbehandlung der Arbeitnehmer bestehen bleibt, wird den verschiedenen Vergünstigungen der Arbeitgeber Rechnung getragen. Beispielsweise dürfen Arbeitnehmer, die in der Firma die Möglichkeit der Kantinenverpflegung haben oder sonstige Vergünstigungen vom Arbeitgeber erhalten, nur die Hälfte des maximal zulässigen Abzugs vornehmen.

Wie aber verhält es sich, wenn die Kantine keinen 5-Sterne-Koch beschäftigt und das Essen eher an den letzten Militärdienst erinnert. Leider gibt es hier wohl keine Möglichkeit, den Betrag zu erhöhen. Hier wäre eher ein Gespräch mit der Geschäftsleitung zu suchen, ob nicht ein neuer Koch eingestellt werden könne.

Den maximal zulässigen Abzug können Sie vornehmen, wenn Sie keine Vergünstigungen vom Arbeitgeber erhalten und deshalb auf Ihrem Lohnausweis bei Buchstabe G (Kantinenverpflegung / Lunch-Checks) kein X steht.

Wie sieht es übrigens aus mit Personen, die wegen einer Allergie nicht alles essen können? Vor allem wenn diese in einer Firma arbeiten, die zwar eine Kantine hat, in der aber auf die Bedürfnisse der Allergiker nicht eingegangen wird oder werden kann. In solchen Fällen ist es schwierig nachzuweisen, dass die Kantine zwar vorhanden ist, die Verbilligung jedoch nichts bringt.

Sie sehen, in der Position „Mehrkosten für auswärtige Verpflegung“ können sich viele Fragen und Probleme verstecken. Sollte der von Ihnen vorgenommene Abzug in der Veranlagung von der Steuerbehörde aufgerechnet worden sein und Sie fühlen sich nun ungerecht behandelt, dann wenden Sie sich an einen Steuerberater. Der hat meistens entweder die Erklärung für die Einschätzung der Steuerbehörde oder erkennt ihre allfälligen Schwachpunkte und kann vielleicht noch etwas für Sie herausholen.